Antrag zu TOP 13 der Ratssitzung am 22. Mai 2002: „Einrichtung eines Gymnasiums für den Sekundarbereich I“

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die CDU-Fraktion im Rat der Gemeinde Jork beantragt hiermit die Einrichtung eines Gymnasiums, dass sowohl den Sekundarbereich I als auch den Sekundarbereich II umfasst.

Begründung:
Die CDU Jork hält es grundsätzlich für richtig und notwendig, den Schulstandort Jork zu stärken. Ein „Rumpfgymnasium“ nach dem „Jorker Modell“, dass lediglich den Sekundarbereich I umfassen würde lehnen wir dagegen aus folgenden Erwägungen ab:

1. Die Schülerzahlen Jorker Gymnasiasten bewegen sich derzeit zwischen 26 und 45 pro Jahrgang.. Dies hat zur Folge, dass ein Gymnasium, dass aller Voraussicht nach dreizügig zu betreiben wäre nur mühsam, wenn überhaupt aufrecht zu erhalten ist.

2. Hinzu kommt, dass bei derart geringen Schülerzahlen Einschränkungen im schulischen Angebot zu erwarten wären. So müsste gewährleistet sein, dass neben einer Französisch-Klasse auch eine Latein-Klasse in Jork dauerhaft eingerichtet werden kann. Dies würde bereits die Bildung von zwei Klassen bedeuten. Da erfahrungsgemäß Französisch häufiger als zweite Fremdsprache gewählt wird als Latein ist zu befürchten, dass die erforderliche Mindestgröße zur Bildung einer Latein-Klasse nicht erreicht werden kann. Die Folge wäre der Gang dieser Schüler zur Halepaghen-Schule nach Buxtehude, was noch weniger Schüler für das „Rumpfgymnasium“ zur Folge hätte. Darüber hinaus dürfte es als noch unwahrscheinlicher gelten, dass unter den genannten Gegebenheiten eine weitere Klasse eingerichtet wird, der beispielsweise bilingualer Unterricht ermöglicht werden könnte.

3. Sollte Jork also mit dem schulischen Angebot der Halepaghen-Schule nicht mithalten können., wären bei einer geplanten Wahlfreiheit des Schulbesuchs der Verlust weiterer Gymnasiasten für Jork vorprogrammiert. Insbesondere bei den Este-Gemeinden dürfte die Hemmschwelle für eine Entscheidung zugunsten Buxtehudes gering sein, da der Schulweg nicht viel weiter ist als der nach Jork. Ein eigenständiges Gymnasium würde dann nur noch formell auf dem Papier bestehen. Faktisch wäre es nur noch ein gymnasiales Angebot. Dies könnte für den Schulstandort Jork einen Image- und Qualitätsverlust mit sich ziehen.

4. Auch der Wechsel von der zehnten Klasse in die Oberstufe könnte bei einem lediglichen Sek I – Gymnasium problematisch werden. Gymnasiasten des Schulzentrums Buxtehude-Süd klagen beispielsweise immer wieder über Anpassungsschschwierigkeiten und Qualitätsunterschiede beim Wechsel zur HPS.

5. Es ist darüber hinaus zu erwarten, dass der Landkreis die Bildung eines „Rumpfgymnasiums“ ohne Oberstufe ablehnen wird. Bei einem leistungsfähigen Gymnasium bis zur 13. Klasse ist eine Zustimmung beim Kreis wesentlich wahrscheinlicher. Als Beispiel sei hier Harsefeld genannt, dessen Bestrebungen nach einem Gymnasium bis Klasse 13 positiv begleitet werden.

6. Die Forderung und Planung eines Vollgymnasiums mit Sek II- Bereich könnte gemeinsam mit der Samtgemeinde Lühe vorgenommen werden. Entsprechende positive Signale seitens der Politik sind hierzu durchaus vorhanden. Jork und Lühe wären gemeinsam in der Lage, eine gymnasiale Vierrzügigkeit und somit ein gutes schulisches Angebot herzustellen.

Weder ein lediglich aus dem Sek I-Bereich bestehendes Rumpfgymnasium noch ein volles und leistungsfähiges Gymnasium mit Sek II-Bereich ist seitens der Gemeinde Jork finanzierbar. Eine Zustimmung sollte daher nur unter dem Vorbehalt erfolgen, dass eine Finanzierung und ausreichende Lehrerversorgung durch das Land Niedersachsen sichergestellt wird.

Mit freundlichen Grüßen,

gez. Hinrich Rohbohm – Fraktionsvorsitzender –